Weniger Vorsorgeuntersuchungen und mehr Fehlbildungen in China
Rund doppelt so viele Säuglinge mit Fehlbildungen wie vor 13 Jahren.
Nachdem vor 13 Jahren die obligatorischen vorgeburtlichen Tests abgeschafft wurden, sind rund doppelt so viele Säuglinge mit Fehlbildungen geboren worden. Auch scheinbar gesunde Paare sind davon betroffen.
Pränatale Vorsorgeuntersuchungen zielen darauf ab, Krankheiten zu erkennen, einschließlich Infektionskrankheiten wie AIDS oder Hepatitis, Erbkrankheiten sowie reproduktiver Erkrankungen, die Paare und ihren zukünftigen Nachwuchs beeinträchtigen könnten, so die offizielle Internetseite der Staatlichen Kommission für Gesundheit und Familienplanung.
“Auch wenn es nicht mehr obligatorisch ist, habe ich es trotzdem getan. Es ist unsere Verantwortung gegenüber unserem zukünftigen Neugeborenen”, äußerte eine Frau mit dem Nachnamen Su aus der südwestchinesischen Stadt Chongqing, die im August geheiratet hatte, gegenüber Global Times am Montag. Jedoch teilt nicht jedes Paar in China die Ansichten von Frau Su.
Laut einem Bericht aus dem Jahre 2012 von Chinas oberster Gesundheitsbehörde wurden in den zehn Jahren nach 2003 jährlich 900.000 Säuglinge mit Fehlbildungen geboren. Die Rate der Geburtsfehler verdoppelte sich damit, nachdem pränatale Vorsorgeuntersuchungen freiwillig geworden waren, wie die Nachrichtenseite thepaper.cn am 12. September berichtete.
Der Nachrichtenagentur Xinhua zufolge gab es im Jahr 2015 insgesamt 16,55 Millionen Neugeborene in China. Die Rate an Geburtsfehlern in China lag 2012 bei 5,6 Prozent. Rund 19,1 Prozent der Neugeborenen, die noch im Säuglingsalter sterben, sterben aufgrund von Geburtsfehlern. Damit sind diese thepaper.cn zufolge die zweithäufigste Todesursache unter Neugeborenen.
Ausgesetzte Säuglinge
“Neugeborene mit Missbildungen sind eine enorme Belastung für die ganze Familie. Zudem stellt eine hohe Rate an Geburtsschäden auch einen großen Verlust für das ganze Land dar”, wie Ge Junbo, Arzt am Zhongshan-Krankenhaus in Shanghai, gegenüber thepaper.cn erklärte.
2013 wurde ein Baby namens Meimei (Pseudonym) in Hefei, der Hauptstadt der ostchinesischen Provinz Anhui, zehn Tage nach der Geburt mit einer angeborenen Fehlbildung diagnostiziert. Laut Xinhua gaben ihre Eltern an, dass sie in den folgenden Wochen mehrere Operationen hatte.
Der Vater des Kindes erklärte, dass er sich viel Geld für die Behandlungen leihen musste. Dem Arzt des Kindes zufolge wird Meimei sich später einmal einer riskanten Operation zur Ersetzung ihrer Herzklappen unterziehen müssen. Des Weiteren werde sie Medikamente einnehmen müssen, die eine mögliche Abstoßung der Fremdkörper verhindern sollen, aber auch zu Unfruchtbarkeit führen könnten.
Lei Dongzu, stellvertretender Leiter der ersten Volkskrankenhaus in Chenzhou in der zentralchinesischen Provinz Hunan, gab gegenüber Beijing Youth Daily an, dass 2015 eine Familie im Durchschnitt 1,09 Millionen Yuan (146.400 Euro) für ein Kind mit einem schweren Geburtsfehler aufbringen musste.
Lei merkte zudem an, dass Fehlbildungen auch ein Grund für die hohe Rate an ausgesetzten Neugeborenen in China sei. Laut Beijing Youth Daily werden jährlich etwa 100.000 Neugeborene in China ausgesetzt, von denen 99 Prozent Missbildungen aufweisen.
Notwendige Untersuchungen
“Derzeit verfolgen wir drei Maßnahmen zur Minimierung der Geburtsfehler: Erste freiwillige pränatale medizinische Vorsorgeuntersuchungen, dann Untersuchungen während der Schwangerschaft und schließlich befürworten wir auch vorbeugende Maßnahmen, nachdem das Kind geboren wurde,” erklärte Sun Ran, ein Arzt in einem Kindergarten im Beijinger Stadtbezirk Dongcheng, gegenüber Global Times am Montag.
Laut Sun ist die Bereitschaft zu pränatalen Gesundheitsuntersuchungen gesunken, seitdem sie freiwillig gemacht wurden. “Die Regierung gab die obligatorischen Kontrollen zum Schutz der Privatsphäre der Bürger auf. Einige meinte auch, es verletze die Freiheit der Ehe. Aber viele junge Paare denken, es ist nicht notwendig oder vergessen es einfach,” so Sun. Viele glauben, dass sie keine Untersuchung bräuchten, wenn kein Partner offensichtliche Krankheiten aufweise, doch “auch rezessive Erbkrankheiten haben wahrscheinlich negative Auswirkungen auf Neugeborene”.
Pränatale Vorsorgeuntersuchungen können Geburtsschäden effektiv verhindern, erklärte Ge gegenüber thepaper.cn und fügte hinzu, dass die meisten Erbkrankheiten im Vorfeld erkannt und verhindert werden können. Berichten von Beijing Daily zufolge hat die Gesundheitsbehörde der Stadt erklärte, dass seit 2014 nur 21.195 Paare eine pränatale Vorsorgeuntersuchung unterlaufen sind, was lediglich 7,2 Prozent aller Paare entspricht, die in den letzten zwei Jahren geheiratet haben.
Wie Beijing Youth Daily berichtete, verhält es sich einem Mitarbeiter eines Mutter-Kind-Pflegezentrums im Beijinger Stadtbezirk Fangshan zufolge mancherorts allerdings auch anders. Auf Behördenstellen zur Eheschließung, die mit Einrichtungen für pränatale Vorsorgeuntersuchungen ausgestattet sind, zeigten sich 2015 41,97 Prozent der Paare zu einer Untersuchung bereit.
Quelle: People’s Daily
- 22.09.2016 | Rubrik: Medizin | 3469 Aufrufe
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