Droht konventionellen Ladengeschäften in China der Untergang?
Ein Drittel aller chinesischen Ladengeschäfte sollen einer Studie zufolge in den nächsten fünf Jahren verschwinden.
Der Onlinehandel macht sie obsolet. Das traditionelle Geschäftskonzept muss sich verändern, um zu überleben.
Als Wanda-Gründer Wang Jianlin vor vier Jahren mit Alibaba-Gründer Jack Ma um 100 Millionen Yuan (13,3 Millionen Euro) wettete, dass das Online-Shopping innerhalb von 10 Jahren nicht das traditionelle Ladengeschäftsmodell ersetzen würde, hatte Wang wahrscheinlich nicht gedacht, dass der Internethandel in China derart schnell wachsen könnte, dass er mittlerweile die traditionellen Einzelhandelskaufhäuser zunehmend vom Markt drängt.
Einem am Montag veröffentlichten Bericht der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften zufolge erlebt China eine Welle der Kaufhausschließungen, ein Prozess, der sich in Zukunft nur noch weiter beschleunigen wird. Der Bericht prognostiziert, dass in den nächsten fünf Jahren ein Drittel der physischen Geschäfte des Landes schließen, ein Drittel sich zu Einkaufszentren, die Einzel- und Großhandel sowie Erlebnis-Shopping miteinander verbinden, wandeln und ein weiteres Drittel die Online- und Offline-Einkaufserfahrung kombinieren wird.
Die Forschungsergebnisse sind alarmierend und ein weiterer Beweis für die Notlage, in der sich traditionelle Kaufhausbetreiber und konventionelle Ladengeschäfte befinden, von denen sich viele mit einbrechenden Verkäufen konfrontiert sehen. Sie kämpfen angesichts der Herausforderung des Online-Geschäftsverkehrs ums Überleben. Es scheint, als ob das Geschäftsmodell der Einkaufszentren, welches durch Chinas Gewerbeimmobilien-Konglomerat der Wanda Group vertreten wird, von dem von Alibaba dominierten Onlinehandelsmodell übertrumpft wurde.
Einkaufszentren, die sich im Bau befinden oder vor kurzem gebaut wurden, könnte eine schwere Krise bevorstehen. Die Lage erfordert, dass sich traditionelle kommerzielle Bauträger und Ladenzeilen schneller entwickeln, um sich zu differenzieren und um eine adäquate Entwicklungsstrategie zu entwickeln, bevor sie durch die zunehmende Dominanz des Onlinehandels vertrieben werden.
Chinas Wirtschaftssektoren sind tief gespalten und weisen immer mehr Tendenzen in Richtung eines Nullsummenspiels zwischen den unterschiedlichen Geschäftsmodellen auf. Der Aufstieg des Onlinehandels könnte bedeuten, dass den konventionellen Ladengeschäften der Untergang droht. Wanda hat den Rückgang im Einzelhandelsgeschäft bereits zu spüren bekommen und laut Medienberichte im vergangenen Jahr angekündigt, dass es etwa 40 seiner mehr als 90 Warenhäuser schließen wird.
Erschwerend kommt hinzu, dass einige Lokalverwaltungen sich auf den Verkauf von Grundstücken an gewerbliche Bauträger verschrieben haben und mit Bezug auf den Immobilienmarkt ihre Vorgesetzten mit der Förderung der Wirtschaft beeindrucken wollen. Sie ignorieren dabei jedoch potenzielle Risiken, die durch den übermäßigen Bau von Einkaufszentren entstehen und säen damit mögliche zukünftige Probleme für die Wirtschaft.
Ohne ein neues Geschäftskonzept und eine innovative Entwicklungsstrategie zur Bewältigung der Herausforderungen wird die Entwicklung traditioneller Einkaufszentren nicht mehr länger tragbar sein und die lokale Wirtschaft dafür büßen. Einige gewerbliche Immobilienträger unter der Leitung von Wanda haben die Risiken bereits erkannt und suchen nach Möglichkeiten, um sich weiterzuentwickeln und durch die Verbindung von Online- und Offline-Einkauferlebnissen, Kunden in ihre Ladenzeilen zu locken. Im Zuge dessen sollen Einkaufszentren vermehrt Restaurants, Kinos, Fitness-Center und sogar Schulen beherbergen. Dabei müssen sie jedoch Acht geben, sich auch tatsächlich merklich zu differenzieren, um nicht in das alte Entwicklungsmodell zurückzufallen.
Falls der Wirtschaftswandel zu einem anhaltenden Boom des Onlineeinkaufs führen würde, könnte dies wahrscheinlich bedeuten, dass konventionelle Einzelhandelsgeschäfte immer mehr verschwinden, wenn sie sich nicht weiterentwickeln. Kommunen sollten mehr Verantwortung zeigen und von ihrer kurzsichtigen Denkweise des übermäßigen Baus von Einkaufszentren Abstand nehmen und rational ein nachhaltigeres Wachstumsmodell entwickeln.
Quelle: People’s Daily
- 08.09.2016 | Rubrik: Internet | 1038 Aufrufe
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