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Chinas Schatzschiffe

Bereits früh beschäftigte man sich in China mit dem Schiffbau, auch wenn dies zunächst nur in kleinem Rahmen zugunsten der Fischerei geschah.

Um 150 n.Chr. waren Fischfang und Perlenfischerei in den Küstenregionen Chinas derart verbreitet, dass es zur Überfischung kam. 600 Jahre zuvor steckten die Fischerei und Schifffahrt im Allgemeinen in China jedoch noch in den Kinderschuhen. Dennoch entwickelte sie sich rasant, denn knapp 500 Jahre vor Christus verzeichneten einige Minderheiten erste Kontakte benachbarter Länder. Als 166 n.Chr erste römische Schiffe in China eintreffen und reiche Geschenke an den Kaiserhof bringen, dürfte die Bedeutung der Seewege für Handel und Selbstdarstellung endgültig in China angekommen sein. Der größte und berühmteste Coup gelang China jedoch erst im Zeitalter der großen Entdecker und Seeräuber. Im Jahre 1403, kurz nach der Hinrichtung Gödeke Michels und der Zerschlagung der Vitalienbrüder und dennoch stolze 80 Jahre bevor Kolumbus an amerikanischen Gestaden anlegt, beginnt in China die Reise einer Flotte der besonderen Art.

Eine Flotte von 300 Schiffen, neunmastige Giganten, die bis zum 120 Meter lang und 50 Meter breit sind, verschlingt bei ihrer Fertigung ganze Wälder. Ein prachtvoller und atemberaubender Anblick muss das gewesen sein, bedenkt man doch, dass die Santa Maria von Christoph Kolumbus „nur“ 27 Meter lang war. Über mehrere Jahrzehnte hinweg sticht diese Flotte im Auftrag des Kaisers sieben Mal in See und bringt von ihren ausgedehnten Reisen Schätze aus fernen Ländern, Tributzahlungen und Handelsgüter mit. Im Bauch der Schatzschiffe, wie diese Riesen genannt wurden, war genug Platz, um auch exotische Tiere wie Elefanten und Giraffen zu transportieren. Rund 28.000 Mann Besatzung waren nötig, um diese Schiffe zu navigieren und ein Kommandeur, der besonders in den letzten Jahren wieder in das Gedächtnis China zurückgekehrt ist.

Zheng He, in Kunming geboren, Sohn eines muslimischen Rebellen, geriet mit 10 Jahren in Gefangenschaft und wurde drei Jahre später zum Eunuchen gemacht. In dieser Rolle verdiente er sich das Vertrauen des angehenden Kaisers und trat 1405 als Admiral seine erste Expedition mit den Schatzschiffen an. Seine Expeditionen führten ihn bis 1433 in den Pazifik und den Indischen Ozean, bis nach Arabien und nach Ostafrika. Mehr als 50.000 Kilometer soll er auf seinen Reisen zurückgelegt haben. Neben dem Ziel, Tributzahlungen einzuholen, erfüllten Zheng Hes Expeditionen auch noch andere Zwecke. Seit 1300 beherrschen japanische Piraten das Chinesische Meer und plündern angrenzende Küsten. Diesem Problem versucht der chinesische Kaiser mit seiner gigantischen Flotte beizukommen, was ihm auch gelingt, denn diese Flotte verkörpert den puren Machtanspruch. Auch weit über die Landesgrenzen hinaus soll die Flotte Zheng Hes die Macht des chinesischen Kaiserreiches aufzeigen.

Die Expeditionen, die oft mehrere Monate oder Jahre dauern, sorgen durch ihre weitgreifenden Routen zudem für einen regen Austausch exotischer waren und dienen somit als Handelsplatz. Privater Handel war zu Wasser jedoch verboten und wurde nur im Fahrwasser der gigantischen Schatzschiffe geduldet. An Bord der Schiffe befinden sich unter den 28.000 Besatzungsmitgliedern auch Gelehrte und Forscher, denn solche Fahrten waren die beste Gelegenheit Forschungen in fremden Gestaden voranzutreiben. Zheng Hes Expeditionen hatten demnach auch einen naturkundlichen Anspruch und brachten nicht selten unzählige Tiere und Pflanzen mit. Eines der berühmtesten Bilder aus dieser zeit zeigt Zheng He bei seiner Ankunft in China mit einer Giraffe an der Leine. Mit dem Tod des Yongle-Kaisers 1434 endeten die glorreichen Missionen des Admirals Zheng He. Der Bau und Unterhalt der gigantischen Flotte war zu kostspielig geworden. Zudem interessierte sich der neue Kaiser nicht so sehr für die Seefahrt, wie sein Vater es getan hatte. Dies mag auch der Grund dafür sein, warum ein Großteil der Dokumente über die Seefahrt aus dieser Zeit nicht mehr existieren.

Viele Legenden haben sich mit der Zeit um die Person Zheng Hes gebildet, so zum Beispiel habe er bereits 1421 Amerika auf seinen Reisen entdeckt. Sein muslimischer Name San Bao hingegen gab Anlass zu der Vermutung, dass es sich hier um die Vorlage für den späteren Räuber und Abenteurer Sindbad handeln könnte. Klar ist jedoch, dass mit ihm und seinen Schatzschiffen die erste große Ära der chinesischen Seefahrt zu Ende ging.

Quelle:
CAISSA Touristic (Group) AG
Burchardstraße 21
20095 Hamburg

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