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Der Geistermonat in China

Der siebte Monat nach dem chinesischen Mondkalender wird von den Geistern beherrscht, weshalb er in China auch Geistermonat genannt wird.

Dem Volksglauben nach stehen zu dieser Zeit die Tore zur Unterwelt weit geöffnet und die hungrigen Geister und Seelen kommen auf die Erde, um ihre verbliebenen Familien zu besuchen. Damit sich die umherirrenden Geister nicht verlaufen oder Unheil auf Erden stiften, werden den ganzen Monat über von den Chinesen weltweit rituelle Zeremonien abgehalten und den verstorbenen Vorfahren dadurch Respekt gezollt. Den Höhepunkt der traditionellen Feierlichkeiten bildet das Geisterfest (鬼节guǐjié oder 中元节zhōng​yuánjié), das in diesem Jahr auf den 21. August fällt.

In dem Glauben, man könne die Verstorbenen von ihrem Leid und ihren Qualen in der Unterwelt erlösen, werden zum Anlass des Geisterfestes Speisen und Früchte vor den Haustüren aufgebahrt, Papiergeld oder andere Dinge aus Pappmaché als Opfergabe verbrannt und Räucherstäbchen angezündet. Oft wird auch ein reichhaltiges, meist vegetarisches, Mahl daheim zubereitet, bei dem immer Plätze für die Ahnen freigehalten werden. Die Wurzeln des Geisterfestes liegen sowohl im Buddhismus wie Daoismus und es gibt viele Sagen, die den Ursprung der Traditionen erzählen. Eine davon ist die buddhistische Sage über den Mönch Mulian, der seine verstorbene Mutter retten wollte. Die Mutter, die zu Lebzeiten sehr geizig war, wurde in das Reich der hungrigen Geister verbannt, wo sie nun ebenfalls Hunger zu leiden hatte. Der Mönch Mulian, der Mitleid mit seiner Mutter hatte, bat Buddha um Hilfe, der ihm alsdann auftrug 500 buddhistischen Mönchen Speisen und Kleider bereit zu stellen. Dies tat Mulian, woraufhin seine Mutter als Mensch wiedergeboren und von ihrem Leid befreit wurde. Der daoistischen Tradition nach wird bei dem Fest die kindliche Pietät betont, die auch ein zentraler Begriff in der konfuzianischen Ethik darstellt. Mit der Ehrung der Vorfahren, wird gezeigt, dass die Pietät der Nachkommen über den Tod hinaus bestehen bleibt. Um den toten Seelen den richtigen Weg zu ihren Familien zu weisen, lässt man Papierboote und mit Kerzenlicht erleuchtete Laternen auf dem Wasser schwimmen. Für die Geister, die auf Erden keine Nachfahren mehr besitzen oder den Weg nach Hause nicht finden, werden fröhliche und laute Konzerte, Theater- und Tanzaufführungen veranstaltet. Wie bei dem Mahl zuhause, werden auch bei den öffentlichen Veranstaltungen meist die ersten Reihen für die toten Geister freigehalten. Diese traditionellen Zeremonien blicken in China auf eine sehr lange Geschichte zurück. Vor allem der Brauch der rituellen Totengeldverbrennung ist ein wichtiger Bestandteil des Geisterfestes. Wie viel Totengeld geopfert werden soll, ist dabei nicht so wichtig und ist jedem selbst überlassen. Für den Ablauf der Verbrennung gibt es jedoch ein bestimmtes Prozedere, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Zunächst muss ein geeigneter Ort für die Feuerstelle gefunden werden – eine Straßenkreuzung etwa ist dafür sehr beliebt, da die verstorbenen Verwandten so den Weg leichter finden. Wurde der ideale Platz gefunden, wird gewöhnlich ein Kreis auf den Boden gemalt, der zu einer Seite hin geöffnet ist. Die Öffnung kann in die Richtung des Grabes des Ahnen gerichtet sein, denn so kann er besser an das Totengeld gelangen, nachdem es im Kreis verbrannt wurde.

Seit der Gründung der Volksrepublik China durch die Kommunisten 1949, waren die Geisterfest-Zeremonien in China selten zu sehen, was mit der Erziehung gegen den feudalistischen Aberglauben zusammenhängt. Doch seit einigen Jahren sieht man zunehmend wie sich alte und junge Menschen in Großstädten wie Beijing und Shanghai an diesem Tag auf den Straßenkreuzungen versammeln und gemeinsam das Ritual der Totengeldverbrennung durchführen. Für die steigende „Popularität“ dieser traditionellen Bräuche mag es sicherlich mehrere Gründe geben. Zum einen fehlte den meisten Menschen im marxistisch geprägten China über Jahrzehnte der Halt durch die Religion und es gab keinen Ort, an dem ihre Seele zur Ruhe kommen konnte. Zum anderen ziehen die jungen Menschen zunehmend in die Großstädte und die Familiengräber liegen meist fern in der ländlichen Heimat. Durch die Totengeldverbrennung können sie von jedem Ort aus ihren Ahnen gedenken und dadurch das eigene Gewissen beruhigen.

Quelle:
CAISSA Touristic (Group) AG
Burchardstraße 21
20095 Hamburg

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