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China: Der Tag der Ahnen - das Qingming-Fest

Qingming-Fest hat eine mehr als 2.000 Jahre alte Tradition in China.

Ein Hauch von Räucherstäbchen und brennendem Papier liegt in der Luft rund um die Tempel und Friedhöfe. Das Rascheln von Besen erklingt und durchbricht von Zeit zu Zeit die andächtige Stille. Obwohl sich viele Menschen um die Gräber ihrer Ahnen drängen, ein Meer von Blumen, Lebensmitteln und anderer Dinge niederlegen, ist es ruhig, denn es ist der Ahnen-Gedenktag, der zumeist am 4. oder 5. April begangen wird. Neben dem Duft der Räucherstäbchen hängt der Duft von Frühling in der Luft. Die Temperaturen werden milder, Wiesen und Pflanzen ergrünen und das Leben regt sich wieder. An diesem Tag in April wird sowohl der Verstorbenen gedacht, als auch das neue Leben des aufkeimenden Frühlings begrüßt. Die Gräber werden “gefegt” und auf das neue Jahr vorbereitet und viele Familien verbinden das diesen Akt der Reinigung mit einem Frühlingsspaziergang. Daher wird das Fest im Volksmund auch “Taqing-Fest” genannt, was so viel wie “auf dem Grünen schreiten” bedeutet.

Neben Räucherstäbchen, wird meist auch Papiergeld verbrannt, damit es die Ahnen im Jenseits gut haben. Im Süden Chinas werden auch Gegenstände aus Papier zum Verbrennen angeboten. Bei den Gegenständen handelt es sich um Dinge, die den Verstorbenen zu ihren Lebzeiten besonders gefielen oder fehlten. Dem Glauben nach lassen sich die verbrannten Gegenstände zu den Vorfahren ins Jenseits übertragen und stehen ihnen dort zur Verfügung. Mit der zunehmenden Konsumorientierung der Chinesen, haben sich auch die Papiergegenstände dem modernen Bedarf angepasst. So werden heute gerne Luxusgüter, wie Autos, Fotoapparate, Uhren oder Häuser aus Pappmaché den Verstorbenen dargebracht. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich in den letzten Jahren iPhones oder iPads aus Papier. Um der Nachfrage zu begegnen, gibt es mittlerweile viele Anbieter, die speziell für den Ahnen-Gedenktag eine große Bandbreite an Papiergegenständen herstellen. Um den Ahnen mit solchen Luxusgütern eine große Freude zu bereiten, müssen die Angehörigen auch manchmal viel Geld springen lassen. Eine nachempfundene Goldkette kostet umgerechnet etwa 220 Euro oder ein Rolls Royce um die 300 Euro. Für eine Villa mit Außenpool kann man schon fast 900 Euro zahlen.

Dass heutzutage jedes Jahr mehr als 120 Millionen Menschen zum Qingming-Fest die Ruhestätten ihrer Ahnen besuchen, hat eine mehr als 2.000 Jahre alte Tradition in China, um die sich die Legende des Kronprinzen Zhong’er aus dem Jin-Reich und seines Dieners Jie Zitui rankt. Das Jin-Reich existierte zur Periode der Frühlings- und Herbstannalen (770 – 476 v. Chr.). Als Feinde das Reich eroberten, musste der Prinz fliehen und fortan ein hartes und entbehrungsreiches Leben im Exil führen. Sein treuer Diener Jie Zitui blieb dabei stets an seiner Seite. Eines Tages war Zhong’er dem Hungertod nahe, als Jie Zitui sich ein Stück seines eigenen Beines abschnitt und daraus eine Suppe kochte. Damit rettete er dem Prinzen das Leben. Davon war dieser sehr gerührt und versprach, Jie Zitui eines Tages reich zu belohnen. Einige Zeit später kehrten der Prinz und seine Anhänger zurück und aus Zhong’er wurde der Herzog Wen von Jin. All jene, die zu ihm gehalten hatten belohnte er reichlich, nur Jie Zitui lehnte seine Belohnung höflich ab und ging mit seiner Mutter in die Berge. Doch der Herzog Wen hielt daran fest, dass er seinem treuen Diener persönlich danken wollte. Also gab er den Befehl den Wald um den Berg niederzubrennen, um Jie Zitui herauszulocken und belohnen zu können. Zwei Tage später wurden die Leichen Jie Zituis und seiner Mutter gefunden. Von seinem schlechten Gewissen geplagt ließ Herzog Wen die beiden mit allen Formalitäten beerdigen und bestimmte, dass an dem Todestag Jie Zituis kein Feuer gemacht werden dürfe und nur kalte Speisen zu sich genommen werden sollten. Im Jahr darauf stieg Herzog Wen erneut den Berg hinauf, um seinem Diener zu gedenken, als er bemerkte, dass die verbrannte Weide, unter der die Leichen gefunden worden waren, erneut erblühte. Daraufhin pflegte er das Grab und erklärte den Tag zum Qingming-Fest. Noch heute werden zum Gedenken der Ahnen Weidenzweige an den Toren angebracht und viele essen an diesem Tag nur kalte Speisen.

Neben den Opfergaben, lassen die Chinesen der Tradition nach oft auch Drachen steigen. Dabei werden an den Drachen Lampions angebracht, sodass sie wie funkelnde Sterne am Himmel erscheinen. Sobald der Drache den Himmel erreicht hat wird die Schnur, an der er befestigt ist, durchgeschnitten – dies soll Glück bringen und Krankheiten vertreiben.

Quelle:
CAISSA Touristic (Group) AG
Burchardstraße 21
20095 Hamburg

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